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Der Traum von Zentralasien!
An jenem Dienstag im März 1992 muß sich entscheiden, ob er
wahr wird!
Jetzt endlich würden wir erfahren, ob alle unsere Mühen und
sorgfältigen Planungen, all die vielen Gespräche und vorbereitenden
Arbeiten tatsächlich umsonst gewesen sein sollen.
Es würde sich entscheiden in dem kahlen und unfreundlichen Warteraum
des russischen Konsulats in München! In der Visa-Abteilung! Genau
hier muß sich nun zeigen, ob ein kleines Stück Papier zum "Sesam-öffne-dich"
werden würde!
Doch schön der Reihe nach!
Schon seit langem träumten wir, meine Frau und ich,
von einer Fahrt durch die mittelasiatischen Länder Kasachstan,
Usbekistan, vielleicht auch Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgisien.
Länder mit einer langen, oft kriegerischen Geschichte. Wer kennt
sie nicht, die Namen der sagenumwobenen Städte Buchara, Samarkant,
Chiwa oder Taschkent. Alles Orte, oder besser Oasen, an der legendären
Seidenstraße, in denen noch heute ein Hauch echten orientalischen
Lebens zu spüren ist, das sich über viele Jahrzehnte kommunistischer
Herrschaft in unsere Zeit hinübergerettet hat.
Wir wollten diese Landschaften und Länder kennenlernen, die soeben
aus der verdämmernden Sowjetunion entlassen wurden und die sich
dann noch für einige Jahre in den sog. GUS-Staaten zusammengefunden
haben. Jetzt aber suchen sie mehr und mehr nach unabhängigen und
weitgehend eigenständigen politischen und wirtschaftlichen Wegen.
Sozusagen hautnahe möchten wir uns über die unvorstellbaren
ökologischen Katastrophen am vertrocknenden Aralsee informieren
und die Menschen in den radioaktiv verseuchten Gebieten des Polygon
in Kasachstan besuchen. Wir möchten wissen, wie die Menschen mit
ihrer schweren Vergangenheit, ihrer großen Armut aber auch ihrer
neuen Freiheit zurecht kommen. Wir wollen die atemberaubenden Landschaften
ebenso erkunden wie die phantastischen mittelalterlichen Bauwerke.....
Aber: alle Anfragen, Telefonate und Briefe an Tourismus-Fachleute, Reisebüros,
Journalisten, Politiker mündeten bisher ausnahmslos und immer wieder
in das eine Wort: Nicht möglich, njet!
Dabei war unser wohl entscheidendes und schwierigstes
Problem, daß wir in unserem eigenen Wohnmobil unterwegs sein
wollten. Und zwar auf Straßen und Routen, die sonst dem Tourismus
verschlossen bleiben.
In einer Reisegruppe, mit dem Flugzeug oder dem Intourist-Bus......, auf
vorbestimmten Wegen nach Moskau, auf die Krim oder nach Taschkent.....:
selbstverständlich und jederzeit!
Aber auf der Piste nach Uralsk, dann in südlicher Richtung zum Aralsee
und durch das Ferganabecken nach Swerdlowsk, oder Jekaterinburg, wie es
jetzt wieder heißt.... nein! Unmöglich! Njet!
Dennoch: Unverzagt lerne ich Russisch, kaufe Bücher
und Karten, sammele auch weiterhin alle verfügbaren Informationen!
Es muß doch einen Weg geben!
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