Kasachstan 'nördliche Route'
 

Kurz nach dem (zur damaligen Zeit nahezu nicht bemerkten) Grenzübertritt von Rußland nach Kasachstan erreichen wir etwa 140 km später die erste größere Stadt Uralsk am gleichnamigen Fluß biegen dort auf die M 32 ein, die uns fast 2.000 km quer durch dieses Land nach Tschimkent führen soll.

 
 
Piste Kasachstan
 

Kasachischer Hirte

Wir passieren ein typisches kontinentales Steppengebiet mit einem heißen, trockenen Sommer und eisigen Schneestürmen im Winter. Recht gute Straßenabschnitte wechseln mit Schotterpisten, die wir fast nur im Schrittempo passieren können.
Die nächste größere Stadt ist als Verkehrsknotenpunkt und Industriezentrum wenig ansehnlich. Sie heißt Aktjubinsk und wir erreichen sie nach etwa 500 km.
In der Umgebung fallen uns riesige Abraumhalden auf als Hinweise für eine intensive Nutzung der Bodenschätze. Wir erkennen vereinzelt Vieherden. Nur selten finden sich Büsche oder gar Bäume. Alles wirkt grau und etwas düster. Unsere Schlafplätze finden wir immer irgendwo abseits der Straße.
Die Region ist menschenleer.

  Dann eine erschütternde Entdeckung: Wir kommen nach Aralsk, dem ehemaligen Fischerstädtchen am Aralsee, vor 150 Jahren als Festung von den Russen gegründet. Jetzt hat der See 2/3 seines Volumens verloren, der Wasserspiegel ist 15 Meter gesunken, zurückgeblieben ist eine tote, salzige Brühe, in der kaum mehr Fische überleben.  

In der Stadt erkennen wir staubige riesige Plätze, die einmal Hafenanlagen waren. Ein freundlicher Einwohner führt uns durch die Stadt und zeigt uns am Stadtrand die Salzwüste, die bis zum Horizont reicht. Er berichtet uns, daß er als Kind noch genau hier im klaren, blauen Wasser des Sees gebadet habe.
Ein Versuch, etwas näher an ein schräg auf dem Sand liegendes Fischerboot zu kommen mißlingt, da unser Auto im salzigen Morast zu versinken droht.


Am Aralsee: fast im Salzmorast versunken

 

Wir verlassen die Stadt und überqueren den Syr Darja. Es ist neben dem Amur Darja der zweite Fluß, dessen Wasser zur Versorgung der endlosen Baumwollfelder abgezweigt wurde, sodaß nur noch ein kleines Rinnsal den Aralsee erreichte und so das fehlende Wasser schließlich zum Aralsee- desaster beigetragen hat.

 
 
Waran, ein Wüstenbewohner

 
 

Kzyl Orda ist eine große Industriestadt, die kurzfristig sogar einmal Hauptstadt Kasachstans war. In der Nähe begegnen wir einem Marabu, also einem Heiligengrab, meist ein Rundbau, benannt nach einer mohammedanischen Sekte in Nordwestafrika.

 
 
Reste einer alten Stadtbefestigung

 
 

Im Dunst erkennt man rechts der Straße Mauerreste, die wir uns anschauen. Es sind die Überbleibsel der Stadtmauern, vielleicht aus der Blütezeit der Seidenstraße, so um das 12. Jahrhundert.

 

Timur Grabmoschee in Turkestan

In der Stadt Turkestan erreichen wir erste prächtige Kunstdenkmäler, die der gesamten Region ihren unverwechselbaren Reiz geben:
Es ist die Grabmoschee mit ihrer gewaltigen strahlend blauen Kuppel und dem tonnenschweren Bronzebecken im Inneren. Im Hintergrund sammelt der Imam die Gläubigen zum Gebet.

 

Die letzte Stadt in Kasachstan ist Tschimkent mit ihren schatten- spendenden Bäumen, den breiten Straßen, blühenden Büschen und ihren Bewohnern, die gelassen den Tee genießen und uns freundlich zunicken.

Dann sind es nur noch wenige Kilometer zur Grenze nach Usbekistan (keinerlei Probleme) und seiner Hauptstadt Taschkent, die wir in kurzer Zeit erreichen.

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© Prof. Uhlich, 2001