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Kasachstan 'östliche Route'
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Wir kommen aus dem östlichsten Zipfel von Kirgisien,
noch jenseits des Issyk-Kul-Sees wieder nach Kasachstan. Die Staatsstraße
343 ist hervorragend ausgebaut. Sie ist eine wichtige Handelsstraße
nach China, die uns durch eine typische Hochgebirgsregion führt.
Wenig Menschen, kaum Fahrzeuge, Hirten und Jurten auf den Hochtälern,
klare Luft.
Nach etwa 200 km Vorortverkehr, dann Almaty, die (alte und nach
wie vor heimliche) Hauptstadt Kasachstans.
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Almaty am Tienschan-Gebirge
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Kathedrale, Almaty
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Almaty (oder Alma
Ata) liegt malerisch zwischen schneebedeckten Gipfeln, hat breite
Straßen und großzügige Plätze. Auffallend
viele Bäume sollen für gute Luft sorgen. Der vor den Bergen
liegende Kurort (Winter)Medea ist einen Besuch wert. Vielleicht
gibt am Abend ein Konzert.
Die nur aus Holz gebaute Kathedrale mit ihren 5 Kuppeln ist einen
Besuch wert, ebenso der herrliche Park davor mit heroischen Denkmälern
und Plastiken. Ein buntes Völkergemisch lebt in den schönen
älteren Häusern oder den tristen Plattenbauten dieser
quirrligen Millionenstadt, in der sich wie überall auch die
Spannungen, Gegensätze und Unsicherheiten der postkommunistischen
Zeit widerspiegeln.
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Hier stehen wir plötzlich einem Deutschen gegenüber,
er erzählt wie ein Wasserfall... (siehe: Trostberger
>>).
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Wir wollen westlich am Balschach-See entlang
nach Karaganda fahren, etwas mehr als 1000 km. Die Piste ist kaum
befahren, befriedigend gut und führt durch das öde Steppengebiet
der Taukum-Wüste.
Junge Leute halten Fische zum Verkauf hoch; uns ist schleierhaft,
wo sie gefangen worden sind, denn der Balschach-See besteht aus
einer eintrocknenden salzigen Brühe. Die gleichnamige Stadt
ist wenig einladend und wird durch die Kupferhütten geprägt.
Vereinzelt sehen wir bei der Weiterfahrt Kamelherden und die für
diese Region typischen Karagan-Büsche, die der zweitgrößten
Stadt des Landes ihren Namen gegeben haben: Karaganda.
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Balschachsee, im Hintergrund:
(Atom)Industrie
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Karaganda ist als junge Stadt im stalinschen Stil
auf dem Reißbrett entstanden. Lebensgrundlage sind Kohle- und Schwerindustrie.
Daher schwebt über den 600 000 Einwohnern permanent eine düstere
Dunstglocke.
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Karaganda
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Hier lebten viele (deportierte) Deutsche, wobei ein großer
Teil unterdessen alles zurück gelassen hat und in die "Heimat"
ausgewandert ist. Ein ganz typischer Ortsteil namens "Klein Berlin"
ist ausführlicher beschrieben
(siehe: Pater
Johann >> und Peter
Böhm >>).
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Wir beschließen, mitten durch das bisher strengstens gesperrte ehemalige
Atomtestgebiet Kasachstans zu fahren, das "Oktogon", über
Kainar nach Semipalatinsk.
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Im ehemaligen Testgebiet "Oktogon"
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Das Dorf Kainar ist ein völlig unscheinbarer,
schmutziger und nicht völlig verlassener kleiner Ort. Irgend jemand
hat auf dem Dorfplatz ein Schild mit einem Atompilz aufgestellt und mit
schrecklichen Zahlen:
566 "unklare" Explosionen wurden gezählt und
28 Leukämie- und
27 Hautkrebstote sowie weitere
204 Krebstote.
Und dies alles in dem einen winzigen Dorf!
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neu entstandener radioaktiver See
im Oktogon (v.Kosigk)
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geschmolzene Erde im Atomkrater
(v.Kosigk)
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Später erfahren wir, daß
in der Großstadt Semipalatinsk, knapp 300 km weiter östlich
an dem großen sibirischen Strom Irtysch gelegen, mehrere Kliniken
voll mit Patienten sind, die an unheilbaren Spätschäden der
Atomversuche leiden und dahinsiechen.
Wie zum Hohn finden wir bei der Einfahrt nach Semipalatinsk, von einer
Anhöhe herab, in der man schräg unter sich die riesige Stadt
auch unter einer Dunstglocke liegen sieht, das bekannte Denkmal der drei
Affen, die sich Augen, Ohren und Mund zu halten, um nichts zu sehen, zu
hören und zu sagen!!
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Auf dem Weg zurück nach dem sibirischen Teil von Rußland haben
wir noch eine bewegende Begegnung in dem kleinen Ort Dolon gehabt
(siehe: Ida
Eisfeld >>) und haben uns Pavlodar angeschaut, wobei auch diese
Großstadt am Irtysch durch die drei Charakteristika beschrieben
werden kann: Vororte mit Datschen-Siedlungen, kleines, schönes, altes
aber verfallenes Stadtzentrum und gesichtslose riesige Wohnblocks an breiten,
verkehrsarmen Straßen (siehe: Datschen
>>).
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Der Grenzübergang nach Rußland: Problemlos, ohne Kontrollen,
freundliches Winken....
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© Prof. Uhlich, 2001 |