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Wir fahren in südlicher Richtung auf der S 106, einer schönen
Küstenstraße am Golf von Tarent, die uns wegen der Bebauung
und den Eisenbahngleisen allerdings nur selten einen Zugang zum Meer gewährt.
Dennoch finden wir einen schönen Standplatz, von dem aus wir dann
am nächsten Tag ein paar Kilometer in das Landesinnere fahren zur
Kirche Santa Maria del Patire. Es
ist, wie unser Führer schreibt, ein „romanisches Kleinod“,
das als Klosterkirche nur noch von den Resten eines alten Kreuzganges
umgeben ist. Wegen Restaurierungsarbeiten war das Innere leider nicht
zu besichtigen.
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Reste des Kreuzganges |

Apsiden von S.Maria del Patire |
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Dann aber ein erster absoluter Höhepunkt unserer Reise: Rossano.
Zunächst der Dom (Cattedrale
Santa Maria Assunta), der uns äußerlich nicht allzu sehr angesprochen
hat, der aber im Mittelschiff auf einem Altar die verehrte „Madonna
A-chiro-pita“ zeigt, ein – wie der Name und die Legende sagt
– nicht von Menschenhand geschaffenes Gnadenbild.
Im erzbischöflichen Palais hinter dem Dom findet
sich das Diözesanmusium. Nach Rücksprache lässt uns ein
Mönch ein und wir können den „Codex
purpureus Rossanensis“ bewundern. Es ist eines der ältesten
(und sehr gut erhaltenen) Bücher der Welt, nämlich das vor 1400
Jahren „geschriebene“ (besser: gezeichnete) herrlich ausgeschmückte
Evangeliar, das aufgeschlagen in einer Vitrine liegt und das der Deutsche
von Harnack in dem kurz vorher besuchten Kloster Santa Maria del Patire
entdeckt hatte.
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Madonna Achiropita |

Codex purpureus Rossanensis |
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Über eine kleine Straße (die S 177) fahren wir hinauf in die
Bergwelt des Sila grande, über
kleine Pässe und völlig verlassene Dörfer. Jetzt, Anfang
April liegt hier und da noch Schnee. Am Lago di Cecita finden wir einen
herrlichen Stellplatz, fühlen uns fast wie in den Schweizer Alpen,
freuen uns an der Abendsonne und den ersten Frühlingsblumen.
Auf dem Rückweg zum Meer biegen wir ab und kommen
nach Santa Severina, einem winzigen
Gebirgsort auf einem Berg. Plötzlich geht es nicht weiter, uns kommen
viele Menschen in festlichen Kleidern und Palmwedeln entgegen. Die Polizei
geleitet uns auf einen Parkplatz und wir mischen uns unter die Menge.
Später besuchen wir das Castello.
Beachtlich die Baugeschichte, die Ausstellung zur Geschichte und zum Leben
im Mittelalter und die geschmackvolle Kombination moderner Kunst und historischer
Ausstellungsstücke.
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Prozession |

Kastell Santa Severina |
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Bald sind wir dann wieder am Meer und spazieren durch das Hafenstädtchen
Crotone, das von der gewaltigen (Seeräuber)
Festung beherrscht wird.
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Crotone: Burgwall
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Camp
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Etwa 10 km
weiter am äußersten östlichen Zipfel des Landes am Capo
Colonna steht die berühmte einzige (letzte) griechische
Säule des Heratempels und kündet (ehrfürchtig von den Sonntagsausflüglern
bestaunt) von großen vergangenen Zeiten. Auf einem Feldweg sind
wir dann etwas weiter gefahren und bleiben unmittelbar an der Steilküste
stehen...

Capo Colonna
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Heute erleben wir einen Tag der Burgen, Kirchen und der wunderschönen
Küstenstraße! Zunächst kommen wir nach Le
Castella. Diese Seeräuberburg liegt, durch einen kleinen
sandigen Damm vom Festland getrennt, direkt im Meer.
Liebevoll wiederhergestellt spaziert man (übrigens kostenlos!) über
einen Rundumgang, durch Gemächer und den Turm, hinab in Verliese
und über die Außenanlagen. Hier findet man wirklich alles,
was zu einer romantischen Burg gehört!
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Le Castella |

Le Castella |
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Rocceletta ist eine gigantische Kirchenruine
mitten im Archäologischen Park von Scolacium, der unmittelbar neben
der Küstenstraße S 106 beim Abzweig nach Catanzaro liegt. Die
beiden erhaltenen und nun restaurierten Apsiden und drei gewaltige Mauern
des Langhauses lassen bei völlig fehlendem Querhaus die unglaubliche
Größe des mittelalterlichen Bauwerkes erahnen.

Kirchenruine von Rocceletta
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Manche Experten halten unser nächstes Reiseziel, nämlich die
kleine „byzantinische“ Kirche Cattolica
von Stilo, für das bedeutendste Bauwerk Kalabriens. In
der Tat: sie ist ein vollendetes Kleinod, das wir am Ende eines Sträßchens
(S110) etwa 10 km im Landesinneren am Hang hinter dem Städtchen Stilo
finden. Fünf runde Türmchen (Tamboure) begrüßen uns,
im Inneren griechische und arabische Inschriften und nicht sehr gut erhaltene
Fresken. Wir gönnen uns ausreichend Zeit, ehe wir wieder zurück
zum Meer fahren.
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Cattolica von Stilo |

Cattolica von Stilo |
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Die nächsten zwei „Abstecher“ von unserer Küstenstraße
S106 in das Landesinnere werden uns zu einem pittoresk-idyllischen Städtchen
mit wundervollen Kirchen und einem herrlichen Rundumblick führen
und später zu einer eher „verwunschenen“ weil verlassenen
Stadt.
In Gerace fahren
wir auf gewundenem Sträßchen bis zu einem Parkplatz an ihrem
Ende am Rande des Städtchens hoch auf einem Hügel. Die Gassen
sind so eng, dass keine Autos mehr fahren können und wir nach wenigen
hundert Metern auf dem zentralen (winzigen) Platz mit dem Dom
stehen: Es ist die größte romanische Kirche Süditaliens
und ein imponierendes Bauwerk. Anhand der ausgelegten deutschen Seiten
eines Führers können wir uns gut zurechtfinden (Domschatz!).
Gleich um die Ecke stehen auf einem winzigen Platz gleich
drei weitere Kirchen: Etwa San Francesco
mit einem schönen Portal oder die winzige San Giovanello, die lange
als Hühnerstall genutzt wurde.
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Dom |

Dom |
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Brancaleone Superiore war gleichfalls
ein Städtchen hoch auf einem Hügel, schwierig und auf zugewachsenen
Pfaden (mit Allrad) zu erreichen, aber mit einem weiten Blick über
das Meer. Die Stadt ist verlassen, durch Erdbeben zerstört aber dennoch
eine Auffahrt zu ihr wert.
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das verlassene und zerstörte Brancaleone |

das verlassene und zerstörte Brancaleone |
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Noch zweimal wollen wir durch solche verlassenen Städte oder Orte
oder Burgen streifen. Der Reiseführer empfiehlt uns Pentedattilo,
von dem er schreibt „es hängt, von den Einwohnern verlassen,
am Berghang unterhalb eines bizarren Felsens, der mit fünf emporgestreckten
Fingern verglichen wurde (daher der Name!).

Wiederaufbau
Das letzte Stück müssen wir zu Fuß gehen,
um dann aber überrascht festzustellen, dass einige Männer offensichtlich
zurückgekehrt sind und die vom Erdbeben zerstörten Häuser
wieder zu reparieren beginnen. Entsteht hier eine "Künstlersiedlung"?
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Pentedattilo |

verfallenes Haus |
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Die Ruine der Burganlage von San Niceto
haben wir uns nach einer etwas mühsamen Auffahrt aus der Ferne noch
angeschaut, wobei uns das Wetter den erhofften Blick auf das blaue Meer
und im Hintergrund Sizilien verwehrte. Rasch waren wir dann in Reggio
di Calabria, jener quirrligen Provinzhauptstadt mit vielen
Möglichkeiten zur Überfahrt nach Sizilien,
unserem nächsten Ziel.
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© Prof. Uhlich, 2006 |